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Gemeinsamkeiten einer Heizung und einer Drehorgel

Als Laie wäre es für mich eher schwer  einem Fachmann eine Heizung zu erklären, was auch nicht meine Absicht ist. Als langjähriger Freund mechanischer Drehorgelmusik wird es mir wohl besser gelingen eine Drehorgel erklären zu können.

Gleichwohl möchte ich Gleichheiten oder gar eine gewisse Verwandtschaft zwischen einer Heizung und eben einer Drehorgel aufzeigen.

Also was nun: eine musizierende Heizung oder eine heizende Drehorgel ? Weit liegen die Beiden nicht auseinander, das klingt schon fast verrückt.

Leicht finde ich eine weite Auslage von Begriffen, die für beide Seiten zutreffen. Beginnen wir doch bei den sog. Begriffen. Wärme: Eine Heizung erzeugt Wärme, staunen Sie nicht, das kann eine Drehorgel auch. Dies vor allem dann, wenn es dem Drehorgelspieler gelingt durch seine Musik die Herzen der Zuhörer zu erwärmen !

Eine Drehorgel erzeugt Musik, das kann die Heizung zwar nicht, auch dann nicht, wenn unsere Steimenheizung immer läuft wie ein Oergeli! Aber die Heizung benötigt eine Menge von Begriffen, die wir auch bei der Drehorgel kennen. Beginnen wir bei der Energie: Eine Heizung benötigt Strom, Wasser, Oel oder Gas bzw. Erdwärme um funktionieren zu können. Eine Drehorgel benötigt Luft, meine Energie, mit der ich die Kurbel drehe.

Druck muss entstehen, bei der Heizung wie bei der Drehorgel. Bei der Heizung erzeugt die Umwälzpumpe einen gewissen Druck, bei der Drehorgel der Blasbalg. Ein Überdruckventil auch das haben Beide, nämlich bei der Heizung sprechen wir von einem Überdruckventil, bei der Drehorgel verhindert ein sog. Überblasventil einen Überdruck. Ventile, auch das haben beide Gegenstände. Ventile regeln bei der Heizung die Durchflussmenge. Bei der Drehorgel wird durch die Bewegung des Lochbandes Luft auf ein Ventil geleitet, das Wind für die Pfeife freigibt, sodass ein Ton entsteht. Die Heizung verfügt über Thermostaten, die die Raumtemperatur regeln. Der Thermostat einer Drehorgel ist eine kleine Regelschraube, die das Funktionieren der Ventile regelt. Kommen wir zu den Datenträgern. Bei einer Heizung bestehen die Datenträger aus einem sog. Schaltfeld, Hauptschalter etc. Hieraus werden Heiz- und Warmwasser, sowie die Umstellung Tag/Nacht/ Sommer-/Winterbetrieb usw. gesteuert. Der Datenträger einer Drehorgel besteht aus der Kombination eines Gleitblockes mit Löchern, auch Spieltisch genannt, und einer darüber gleitenden Notenrolle mit ausgestanzten Löchern. Die Wärmeverteilung stellt eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Heizung und Drehorgel dar, nämlich indem bei der Heizung die Wärme über Radiatoren oder Leitungen im Boden verteilt wird. Die „Wärme„ der Töne bei der Drehorgel wird über die Pfeifen verteilt. Das Ergebnis ist auch wieder gleich, nämlich bei der Heizung entsteht eine mollige Wärme, bei der Drehorgel eine herzerwärmende Musik.

Wie ich anfangs ausführte, ist es nicht meine Absicht einem Fachmann eine Heizung erklären zu wollen, sondern, eben wie erwähnt tatsächliche Gemeinsamkeiten der Beiden zu zeigen. Nach den vielen Darstellungen und Gleichheiten erlauben Sie mir nun doch auf ein paar Details der Drehorgel eingehen zu dürfen, um so einem Nichtfachmann von Drehorgeln meine Gegenüberstellungen besser verständlich zu machen.

In Drehorgeln werden Rollen aus Papier oder Kunststoff (Notenbänder) mit Löchern verwendet. In dem Moment, wenn diese Löcher auf ein Loch im Gleitblock treffen, werden Ventile bewegt und es entstehen Töne. Eine Orgel braucht - wie eine Heizung - Luft. Eine Drehorgel braucht Luft unter einem gewissen Druck. Dieser Druck wird erreicht, indem man asynchron arbeitende Schöpfbälge in Bewegung setzt. Ein Magazinbalg mit Druckfedern sorgt für einen konstanten Luftdruck, während das Überblasventil (Überdruckventil) verhindert, dass das Magazin sich zu weit aufbläht. Die unter Druck stehende Luft wird in eine sog. Windlade geleitet. In dieser Windlade befinden sich die Ventile, u.a Membranventile. Der Trick ist in den möglichen Druckunterschieden beiderseits der Membran zu sehen. Wenn kein Ton gespielt wird, ist der Luftdruck durch den Bypass im Innern der Membran grösser und die Membran schliesst die Windlade ab. Entweicht die Luft aus der Membran, weil auf dem Gleitblock das Loch frei wird, dann wird durch den höheren Druck in der Windlade die Membran nach oben gedrückt. Der Luftkanal zur Pfeife wird geöffnet und der Ton wird hörbar. Mit den Regelschrauben kann man die richtige Windzufuhr für ein korrektes Ventilspiel einstellen. Zu all meinen Darstellungen gäbe es noch ein paar interessante Tatsachen zu klären. Die Zentralheizung wurde 1816 von Marten Triewald erfunden. Die erste Drehorgel wurde ca. um 1740 erbaut. Nun steht fest, dass die Drehorgel älter als die Warmwasserheizung ist. So könnte man davon ausgehen, dass die Heiziger dem Drehorgelbauer vieles abgeschaut und kopiert haben…..

Was steckt hinter meiner Idee an diesem Steimen Jubiläums-Pott 2013 teil zu nehmen?

Leider ist in der heutigen Zeit, mit dem Überfluss an Musik, der Drehorgelspieler fast gänzlich verschwunden. Es ist mir wichtig noch ein kleines Stück Drehorgel-Vergangenheit am Leben zu erhalten, damit die Drehorgel eines Tages nicht als etwas besonders Exotisches nur im Museum betrachtet werden kann, sondern als das, was sie lange Zeit schon war: ein Stück Alltag. Ich erlebe bei meinen Auftritten immer wieder, wie die ZuhörerInnen die Faszination dieser Technik begeistert erleben. Es ist mein Ziel weiterhin möglichst viele Leute mit dem Drehorgelspiel zu erfreuen, und eben, wie bei einer Heizung so oft erwähnt, auch Wärme in die Herzen zu bringen.

Um diesem Gedanken nachleben zu können möchte ich z.B. in Pfäffikon im Schlossturm ein Drehorgelkonzert veranstalten.

Ich würde mich sehr freuen wenn für mich im Pott der Firma Steimen was drin liegen würde….

Vielen herzlichen Dank.

Josef Wyrsch        Pfäffikon 16.09.2013

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