Franz Oehrlein - Homepage der Schweizer Freunde Mechanischer Musik

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In memoriam
In memoriam - Franz Oehrlein

Am 18. Dezember 2013 ist unser SFMM-Mitglied Franz Oehrlein gestorben.
Die Trauerfeier fand am 23.12.2013 unter großer Anteilnahme vieler Weggefährten in der überfüllten Trauerhalle des Friedhofs seines lebenslangen Heimat-Stadtteils Hechtsheim statt: Er war ein waschechter "Hechtsheimer Bub" und in seinem Ort tief verwurzelt. Sein Humor war unverwüstlich. Ganz im Sinne von Franz stand bei der sehr würdigen Trauerfeier die Freude über den gemeinsamen Weg vor der Trauer.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass Franz alles daran setzte, trotz seines schlechten gesundheitlichen Zustands "noch einmal zur GSM-Herbstbörse nach Rüdesheim" zu reisen. Trotz Rollator und mobilem Sauerstoffgerät genoss er dieses (Abschieds-) Treffen mit seinen Weggefährten. Kurz danach war er drei Wochen im Spital. Seine letzten Tage verbrachte er zu Hause, starb dann aber in der Klinik.

Wir werden Franz Oehrlein in bester Erinnerung behalten.

Franz Oehrlein - geb. 5.8.1932 - gest. 18.12.2013

An Stelle eines Nachrufes finden Sie nachfolgend die Laudatio des Vorsitzenden der GSM e.V (Gesellschaft für Selbstspielende Musikinstrumente e.V.), welche Ralf Smolne anlässlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Franz Oehrlein vorgetragen hat.

"Meine Damen und Herren, liebe Freunde,
willkommen zum traditionellen Treffen von Freunden, Enthusiasten, Sammlern und Restauratoren in Siegfrieds herrlichem Mechanischem Musikkabinett. Wir alle befassen uns mit unserer zweitliebsten Beschäftigung, den mechanischen Musikinstrumenten, bringen immer wieder neue Erkenntnisse, neue Bekanntschaften und einen regen Erfahrungsaustausch untereinander hervor, wie es sich für eine lebendige Gesellschaft gehört.
Im Namen des Vorstandes und des Beirates der Gesellschaft für Selbstspielende Musikinstrumente und natürlich des Hausherrn, als Ausrichter der GSM Sammlerbörse, kann ich unseren Mitgliedern immer wieder nur empfehlen, sich regelmäßig an unseren Treffen zu beteiligen, um ein aktives Vereinsleben vor- oder mit zu leben. Vielleicht werden Sie dann nach Jahren der Vereinszugehörigkeit, in der Sie sich für den Erhalt und die Förderung der Mechanischen Musik und ihrer Instrumente besonders verdient gemacht haben, in den Kreis der Ehrenmitglieder aufgenommen.
Heute ist z.B. so ein besonderer geschichtsträchtiger Tag.

Ich möchte heute an ein aktives Gründungsmitglied unserer Gesellschaft erinnern, das sich um das Privileg, im Kreise unserer Ehrenmitglieder aufgenommen zu werden, mehr als verdient gemacht hat. Vor mehr als 40 Jahren schon machte dieses besagte Mitglied von sich reden, als es seinen erlernten Beruf an den Nagel hing und sich fortan dem Drehorgel- und Automatenbau verschrieb. Die Story könnte auch heißen:

"Vom Figaro zum Drehorgel- und Automatenbauer".

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Rede ist von Franz Oehrlein aus Mainz!
Vorstand und Beirat haben einstimmig beschlossen, Franz Oehrlein in den Kreis der Ehrenmitglieder aufzunehmen.

Nun lassen Sie mich bitte versuchen, seinen Werdegang darzustellen:
Franz wurde in den Frisörbetrieb seiner Eltern hineingeboren, arbeitete auch eine gewisse Zeit im elterlichen Betrieb mit, doch schon immer interessierte sich Franz auch für ganz andere Dinge, für knifflige technische Zusammenhänge und für die Automatisierung von Bewegungsabläufen. Die Drehorgeln hatten es ihm besonders angetan. Als begeisterter Tüftler und Autodidakt befasste er sich mit deren technischen und musikalischen Aufbau und erlernte dadurch sehr schnell alle Fertigkeiten zur Herstellung von gut funktionierenden Drehorgeln. Schon 1964 entstanden seine ersten Drehorgeln, die er ständig weiter perfektionierte. In einem Teilbereich des elterlichen Geschäftshauses richtete er sich eine kleine Werkstatt ein und betrieb dort ab 1970 sein Geschäft als Drehorgel- und Automatenbauer.

Im Zuge des wiedererstehenden Drehorgelbaus in der Nachkriegszeit gilt Franz Oehrlein durchaus als Pionier für die Herstellung von unempfindlichen, also sehr robusten Drehorgeln und Automaten mit Figurenszenen. Sein Einfallsreichtum für Figurenautomaten mit Musik ist schier unerschöpflich. Von seiner Arbeit und seinen Ideen erfüllt, lässt er nicht los, bis alles auch bis ins kleinste Detail umgesetzt ist. Dabei ist es ihm wichtig, nur eine limitierte Auflage jeder seiner Schöpfungen zu verwirklichen, denn die Freude über das gelungene Werk ist ihm stets mehr wert als der finanzielle Erfolg, den er mit einer Massenproduktion hätte erzielen können.
Dazu passt sehr gut ein Zitat aus seinem Munde: "Wenn ich hunderte gleicher Orgeln bauen müsste, ich glaube, ich würde meine Werkstatt anzünden". Glücklicherweise ist es Dank dieser ungewöhnlichen Unternehmens nie zu einem Werkstattbrand gekommen!

Bereits 1975, zur Zeit der Gründung unserer Gesellschaft, bot er schon Drehorgeln mit Faltbändern und 26 Tonstufen an, ein Jahr später folgten schon Drehorgeln mit 7 beweglichen Musikanten und 3 Registern und ab 1984 sein Drehorgelzirkus sowie die 20er Drehorgeln. Parallel dazu entstanden seine lebensgroßen Automaten, die sich durch ihre natürlichen Bewegungsabläufe auszeichnen. Wer kennt sie nicht, seine Trommlerautomaten, den Drehorgelspieler, den Harlekin als Flötenspieler mit Vögelchen, den Afrikaner und sein jüngstes "Kind", die Eva Katharina. Eva Katharina, die Orgelspielerin, ist ihm besonders gut gelungen. Sie macht beim Spielen einen sehr lebendigen Eindruck. Sehr lebensecht hebt und senkt sich ihre Brust, als würde sie atmen, sie bewegt ihren Körper vor und zurück, dreht den Kopf, schaut und blinzelt in die Runde der Zuhörer und bewegt beim Spielen die Arme, Finger und Füße, um die Tasten und Pedale ihrer Orgel wie eine lebende Orgelspielerin zu bedienen. Mit diesem wunderbaren Automaten endete leider die Ära des berühmten Automatenbaus in Mainz.                                                             


Der GSM Vorsitzende Ralf Smolne überreicht
Franz Oehrlein in Siegfrieds Mechanischem
Musikkabinett die Urkunde der Ehrenmitgliedschaft
Foto: Bernhard Häberle

Heute stehen die Geschöpfe von Franz Oehrlein in den größten Sammlungen Europas, in Japan und in Amerika, und sie bereiten den Besuchern immer wieder große Freude. Werden seine Orgeln und Automaten heutzutage auf Auktionen angeboten, erzielen sie ein Mehrfaches des ursprünglichen Verkaufspreises.
Obwohl Franz Oehrlein sich sehr bescheiden immer als Handwerker bezeichnet hat, so ist er doch einer unserer besten Künstler für moderne Automaten.

Franz hat sich seit einiger Zeit zur Ruhe gesetzt.  Das soll aber nicht heißen, dass er sich auch von der Szene verabschiedet hat. An allen wichtigen Veranstaltungen nimmt er teil und ist ein gern gesehener Gast, der mit seinen lebhaften Erzählungen und köstlichen Anekdoten die Menschen begeistern kann. Als Anerkennung für seine Kreativität und als Auszeichnung für sein Lebenswerk verleihen wir heute unserem langjährigen Mitglied Franz Oehrlein die Ehrenmitgliedschaft in der GSM e.V..

Lieber Franz, dass du trotz einiger gesundheitlicher Probleme, die sich nun mal so um die 70 Altersjahre einstellen, an unseren Veranstaltungen aktiv und regelmäßig teilnimmst, erfreut uns alle sehr! Dir und deiner lieben Ruth als treue Begleiterin und als eine wichtige Stütze für dich in allen Lebenslagen, sei Dank dafür. Wir wünschen euch beiden, dass wir noch lange auf euch zählen können! Einen herzlichen Glückwunsch von uns allen."

Wir danken Bernhard Häberle, Redaktor des Journals DMM (Das mechanische Musikinstrument), für das zur Verfügung stellen des Textes.

copyright © by SFMM -  Alle Rechte vorbehalten - last update: 11.12.2017
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